• Caroline Winning

Das innere Kind und sein Beitrag zum Glück

Erwachsensein, für manche der bittere Ernst des Lebens, der einhergeht mit Pflicht, Disziplin, lastvoller Verantwortung und unumkehrbaren Entscheidungen für's Leben. Da, wo wenig Raum für spontanes Spiel, verrückte Albernheit, alles mit sich reißende Lebenslust und wilde Kreativität ist. Denn im Ernst: wer lässt sich schon Rollschuhe mit 50 schenken oder singt laut auf der Straße, wenn das Lieblingslied anklingt? Wer hüpft noch mit unverstohlenem Grinsen durch Pfützen oder tapeziert in einer Spontanaktion die Küchenwand?

Erlauben wir uns, was uns einst als Kinder mit Begeisterung und Jubelrufen erfüllt hat? Entdecken wir die Welt heute noch mit staunenden Augen und pochendem Herzen? Oder warten wir auf den kommenden Urlaub, bis wir mal wieder in den Tag hinein leben und unseren Sehnsüchten nachgehen? Die nach zerzaustem Haar und rotglühenden Wangen, weil wir unter freiem Himmel geschlafen haben. Die nach bunt gefleckter Kleidung, weil wir mit wildem Pinsel auf die Leinwand gekleckst haben. Oder die nach Meeresluft, nachdem wir kurzentschlossen in den Zug gen Küste gestiegen sind, ganz ohne Gepäck und Hotelreservierung.

Wo ist stattdessen der Ernst in unser Leben eingezogen, mit maßregelnden Sätzen wie "Das macht man nicht."? Anders gefragt: wie sehr sind wir im Kontakt mit unserer kindlichen Lebensfreude, Spontanität und Leichtigkeit?

Das innere Kind - eine Quelle der Inspiration & Lebenslust

Nach einem langen Winter regt sich das Leben neu: frisches Grün schießt aus dem Boden, trällernde Balzgesänge beleben die Luft. Die Luft atmet nach Neubeginn. Zeit des Wunderns und des Staunens, wie doch all das unbelebt Scheinende plötzlich mit voller Wucht aufbricht und die schönsten Farben, Gerüche und Töne hervorbringt.

Zeit für unsere inneren Kinder. Sie sind der Anteil in uns, der durchlebt hat, was wir in unserer Kindheit und Jugend erfahren haben - im Guten wie Schlechten. (Früh-)kindliche Erlebnisse überdauern das Älterwerden und wirken in uns weiter. Ihre emotionalen Spuren sind in unseren Zellen gespeichert und sorgen so dafür, dass das innere Kind zum Teil unserer Persönlichkeit wurde.

Je weniger wir später als Erwachsene ein Bewusstsein über unsere inneren Kinder haben, desto schwerer fällt es uns zu unterscheiden, ob wir erwachsen angemessen oder kindlich verletzt auf äußere Reize reagieren. Vor allem im Konflikt springen hauptsächlich die Reaktionsmuster an, die wir uns als Kinder angeeignet haben. In Ermangelung an klugen Strategien haben wir damals Verhaltensformen gelernt, die sehr oft mit Angriff, Lähmung, Widerwillen oder Rückzug zu tun haben. Allesamt überlebenswichtige Reaktionen, mit Hilfe derer wir als Kinder den geringsten Stress auf uns gezogen haben. Viele von uns haben im frühen Alter Beziehungsabbrüche erlebt. Beispielsweise das Kind, welches trotz elenden Schreiens keine fürsorgliche Geste geerntet hat. Die wenigsten Eltern sind Heilige, daher haben fast alle von uns die Erfahrung von frühkindlichem Schmerz gemacht, der dadurch ausgehalten wurde, indem er nicht gefühlt wurde. Stattdessen haben Mechanismen der Verdrängung gegriffen, die ihn solange unterdrückten, bis er durch äußere Trigger in uns wachgerüttelt wird.


Diese Phänomene sind Teil unserer gesellschaftlichen Webstruktur. Wir alle tragen

unser inneres Kind in uns, zusammen mit seinen durchlebten Erfahrungen. Werden diejenigen Erlebnisse, die bislang im Keller gelagert waren, im späteren Lebenslauf angeschaut, beginnt die Integration und Ganzwerdung auf dem Weg zu einem reifen, bewussten Erwachsensein. Haben wir unser inneres Kind befriedet, indem wir uns als Erwachsene erlaubt haben, den alten Schmerz zu fühlen, kann Heilung beginnen.

Dies ist kein leichter Prozess, führt er schließlich direkt durch den Schmerz. Das Ergebnis zeitigt jedoch wahre Glückseligkeit, denn: nur, wenn wir zurück holen, was wir einst vergraben haben, können wir innerlich wie äußerlich erfüllt werden.


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