• Caroline Winning

Gesunde Unternehmen - ein Weg zu mehr Wohlstand

Was macht Gesundheit für dich aus? Sind wir schon gesund, wenn uns die Nase nicht läuft? Die WHO hat mit ihrer Definition von Gesundheit die Grenzen dessen, was wir als gesund vs. krank erleben, deutlich verschoben. So bezeichnen wir eine Person heute erst dann als gesund, wenn ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen vorhanden ist.

Was wir auf dem Papier finden, wird jedoch in den allerwenigsten Fällen bereits gelebt, wenn wir einen Blick hinter die Bürotüren unserer Arbeitsplätze werfen.

Gesund im Job - nur mit der Pille oder geht's auch anders?

Gut zwei Drittel aller Arbeitnehmer gingen im letzten Jahr zur Arbeit, obwohl ein Arzt sie krank geschrieben hätte. Zwar singen die Krankheitsquoten ein anhaltend beängstigendes Lied, was das wachsende Ausmaß an leistungsunfähigen Mitarbeitern betrifft, dennoch quält sich der Ottonormalverdiener zu Werkbank oder Schreibtisch und spielt gute Miene zum bösen Spiel. Haben wir es hier mit besonders pflichtbewussten Arbeitsbienen zu tun? Wohl eher kaum. Wie es scheint, schleppen sich die meisten zur Arbeit mit der Angst im Hinterkopf, sich selbst oder ihrem Arbeitgeber nicht (mehr) zu genügen, wenn sie bei einer Erkältung zu Hause bleiben. Auch das gebrochene Bein muss mich nicht davon abhalten, Mails zu checken und der Arbeit vorm Rechner nachzugehen - Home office sei Dank! Neben der Besorgnis, als faul, schwach oder wenig teamorientiert rüberzukommen, schleicht sich zudem noch immer der Gedanke ein, körperliche Gebrechen seien vor allem körperlichen Ursprungs. Der Körper als externes Objekt, als losgelöste Maschine, die, wenn nicht gut geölt, schon mal in die Brüche geht. Da hilft die Pille, der Verband oder die Spritze und der Motor läuft wieder.  Gesundheit, wie sie die WHO definiert, wird in vielen Köpfen reduziert auf das körperliche Wohlergehen. So auch in Unternehmen.  Psychische Gesundheit wird trotz steigender Burnout-Raten vielerorts noch auf den Bereich des Privaten geschoben. Es fehlt die ganzheitliche Betrachtung des Zusammenspiels von Mensch und Arbeitsplatz. Obst im Pausenraum oder Yogakurse nach Feierabend sind erste Versuche, sich dem Thema Gesundheit am Arbeitsplatz nähern, oft nehmen diese sich jedoch eher wie Kosmetik aus und vernachlässigen die unsichtbare Ebene: dort, wo Gesundheit ebenso entsteht wie im Fitnessbereich. Auf dieser haben wir es mit Emotionen, Gefühlen, Einstellungen, Werten, Idealen und Bedürfnissen zu tun. Konstrukte, die so schwer greifbar sind wie Wolken am Himmel. Und ungleich schwerer zu messen oder folglich gar (zum Besseren) zu verändern.  Gesunde Unternehmen durch „Augenhöhe“ – der Weg dorthin Viele der heute agierenden Unternehmen haben das Thema Gesundheit erst gar nicht auf der Tagesordnung und betrachten psychische Gesundheit immer noch als Tabu. So belegen es zahlreiche Studien (Ulich, 2015 und Roschker, 2013) und zeigen auf, dass vor allem das Management hinterher hinkt, wenn es um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter geht. Die aufkommende New Work-Bewegung setzt dem gegenüber ein Zeichen und zeigt Wege auf, sich mit der Arbeit auf eine Weise auseinanderzusetzen, die zu mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden aller Beteiligten führt. Arbeit wird hier völlig neu gedacht. Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens im Job, da genügt es schon lange nicht mehr, nur des lieben Geldes wegen hinzugehen. Entfaltung von Potentialen bis hin zu Selbstverwirklichung, Kreieren eines echten Mehrwertes für die Gemeinschaft, Räume für Menschen zu schaffen, die sich hinter ihren Rollen und Masken begegnen. Allesamt Bestrebungen einer Bewegung von Unternehmer_Innen, Angestellten und all denen, die unsere Arbeitswelt zu einem humanen, freudvollen Ort verwandeln wollen.  Vielleicht, weil wir alle insgeheim spüren: Gesundheit ist ein rares Gut. Und Lebenszeit zu kostbar, um sie geplagt mit chronischen Rückenschmerzen oder Depression zu verbringen.

Gesundheit als das neue Glückselig Die Vermehrung von Krankheitsausfällen und Krankheit auf Grund sinnentleerter Arbeit ist jedoch nur ein Aspekt der Krise. Was uns zudem bewegen sollte, ist die gebundene, gelähmte Energie, die einem Unternehmen in Form von Ideen, Innovationen, Engagement, Herzblut, Leistung, Freude und blanker Lebenskraft durch die Lappen geht. Wir nehmen es vielleicht (noch) hin, dass wir lustlos, unmotiviert und im Funktionsmodus am Arbeitsplatz erscheinen. Machen doch alle so. Doch wie sehr müssen die Raten an ausgelaugten, erschöpften Köpfen & Herzen noch steigen, damit wir endlich begreifen: Arbeit kann schon töten, bevor sich der Sargnagel schließt! Und zwar immer dann, wenn sie eine Umgebung schafft, die den Mensch außer Acht lässt und das Quartalsergebnis auf den Thron hievt. Koste es, was wolle… Mit dieser Devise runieren wir nicht nur uns, wir lassen ganze Potentiale und Felder an Möglichkeiten für Organisation wie Gesellschaft brach liegen. Mit Blick auf den Arbeitskontext kann man zurecht fragen: welche Ideen könnte der Einzelne generieren, wenn er die Freiheit hätte, sich neben seinem eigentlichen Tätigkeitsfeld weiteren Interessengebieten zuzuwenden? Vielleicht entsteht so eine völlig einzigartige Idee der Energiespeicherung? Oder das nächste revolutionäre Konzept für private Pflegedienste? Vielleicht wachsen statt der Ideen auch einfach nur die Lachfalten der Menschen, die dank freier Arbeitsgestaltung, sinnhaftem Tun und einem Miteinander auf Augenhöhe eine Tiefe an Glückseligkeit erreichen, die unsere Welt zu einem wärmeren, friedlicheren Ort werden lässt. Glück kann bisher nur in Bhutan gemessen werden. Jedoch sind Angela Merkel & Co. immerhin dran mit ihrer Initiative für das Bruttonationalglück. Wenn es somit irgendwann auch bei uns soweit ist, erkennen Organisationen und ihre Angestellten vielleicht, dass Dinge wie Glück, Freude und Lebendigkeit die wirklichen Pfeiler unserer Existenz sind. Auf eine baldige, gute Besserung!


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© 2020 Caroline Winning.