• Caroline Winning

Sich zu lieben beginnt mit 4 Worten

Ich bin gut genug - jetzt hast du den Satz einmal gelesen. Nun versuch es und sprich ihn laut aus. Am besten gleich nochmal: Ich bin gut genug. Oder: Ich bin gut genug so wie ich gerade bin. Na, wie leicht perlt er dir über die Lippen? Wie flüssig sprichst du diese 4 Wörter aus?

Diese Wörter sind WESEN-tlich. Nah am Wesenskern dran, weil sie eine der elementarsten Botschaften enthalten: wir müssen uns nicht erst um die Liebe bemühen. Um Grunde müssen wir gar nichts tun, um geliebt zu werden. Wir haben sie schlicht & ergreifend verdient, einfach weil wir sind.


Das ist eine simple wie radikale Botschaft. Würden wir ihr unbeirrt Glauben schenken, sähen unser kapitalistisches System, unser Schul- und Erziehungswesen und unsere Arbeitswelt von Grund auf anders aus. Schließlich bauen sie allesamt ihr Kartenhaus auf der weitverbreiteten Illusion auf, wir würden uns die Zugehörigkeit und Anerkennung der Menschen um uns herum erst hart erarbeiten müssen. Mit guten Noten, angepassten Taten, unserem Bravsein, einem erfolgreichen Partner oder dem nächsten großen Karrieresprung.


Die Wahrheit sieht anders aus: wir sind um unserer selbst willen liebenswert und wertvoll. Wir zählen. Jede/r einzelne von uns zählt, einfach weil wir sind. Ohne dafür etwas tun, leisten oder vorweisen oder uns verstellen zu müssen.


Zurück zur Ausgangsübung: was hast du gespürt, als du diese 4 Wörter laut ausgesprochen hast? Wie leicht oder schwer fiel es dir, dir selbst diese Art von Anerkennung und Bestätigung zuzusprechen? Sei am besten ehrlich mit dir.

Ich liebe diese kleine Übung. Sie offenbart gradewegs, wie weit es mit der Liebe zu uns selbst steht. Dem Vertrauen in unsere bedingungslose Daseinsberechtigung. Also bitte ich die Menschen zu sagen: Ich bin gut genug. Laut. Deutlich. Klar.

Und dann zeigt sich das Wanken. Das Zittern und Abbrechen der Stimme. Das Fragezeichen am Ende des Satzes. Ein Zweifel hat sich still & penetrant eingeschlichen. Ein Unglaube. Spätestens an dieser Stelle kommen Entgegnungen wie "Aber ich müsste doch dafür erstmal mein Verhalten ändern.", "Aber ich belaste doch die Anderen so sehr, wie kann ich da gut sein?", "Aber doch erst, wenn ich weiß, was ich will?"


Wir Menschen, und viel zu häufig wir Frauen, haben Schwierigkeiten mit diesem einfachen, essentiellen Satz. Selten können wir uns vorbehaltslos seinem Inhalt anschließen. Erst wenn..., dann ... können wir es vielleicht sagen. Vielleicht.

Viel zu laut schreit stattdessen der innere Skeptiker/ Kritiker/ Richter, nennt ihn, wie ihr wollt: "Das musst du erstmal beweisen! Dafür musst du schon was tun! Ohne Fleiß keinen Preis, wie stellst du dir das vor!?"

Und weiter: "Du weißt nicht, wie das geht? Das solltest du aber, ist doch nicht so schwer! Andere kriegen's doch auch gebacken!"


Dabei ist dieser Satz wahr. Es gibt keine größere Wahrheit als diese: wir sind vom Leben gerufen zu sein - so, wie wir ursprünglich gemeint sind, auf unsere einzigartige, ganz unverwechselbare Art & Weise. Jede, jeder für sich. Auch wenn uns gesellschaftliche Konditionen oder familiäre Indoktrinationen das Gegenteil davon einreden: wir müssen niemanden gar nichts beweisen!

Die einzige Person, die es zu lieben und zu achten gilt, sind wir selbst. Wir selbst mit unseren Bedürfnissen und Gefühlen, unseren Talenten, Macken und unserem strahlenden, individuellen Potential!



Ich ertappe mich immer mal wieder dabei, wie ich mir selbst ausrede zu genügen: gestern in unserer Frauenrunde merkte ich zu Beginn, wie verunsichert ich mich fühlte. Wir waren gerade am Ankommen und ich spürte ein anfängliches Unbehagen, Zögern und leichte Ängstlichkeit. Ein gefundenes Fressen für meinen Kritiker! "Du bist hier die Gruppenleitung und kriegst es nicht hin, souverän den Auftakt zu machen", wetterte er. Da er und ich schon länger miteinander Bekanntschaft gemacht haben, hab ich ihn unumwunden am Kragen gepackt: "Stop, mein Freund. Es ist völlig ok, sich so zu fühlen. Ich brauche halt etwas Zeit, anzukommen. So bin ich und das ist absolut in Ordnung." Eine große Welle der Erleichterung landete auf meinen Schultern. Ich bin gut so, wie ich bin. Wir alle sind gut so, wie wir sind.

Sobald wir lernen, dies als die unumstößliche Wahrheit anzunehmen, die sie ist, endet das, was ich den Krieg gegen uns selbst nenne. Jetzt beginnt das authentische Sein. Hier, an diesem Punkt beginnt die Liebe - zuallererst zu uns, um schließlich mit ihrer revolutionären Macht unsere gesamte Umwelt dazu zu inspirieren, in dieselbe Form der Selbstliebe einzutreten, die wir haben erblühen lassen.

Was für eine schöne Welt wohl damit möglich wird...


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