• Caroline Winning

Wozu wir hier sind und was gerade jetzt zu tun ist

Mit diesem Titelsatz wachte ich heute morgen auf. Zurzeit halte ich schriftlich fest, was mir in der Nacht begegnet, statt mich sogleich in den Tag zu schwingen. Es ist eine gute Zeit, nach innen zu lauschen, sich mit den tieferen Ebenen unseres Seins zu befassen und dem, was sich darin zeigt, Ausdruck zu geben.


Zeit für Wesentliches

Am 20.12.2021 beginnen die Rauhnächte und ich werde sie dieses Jahr bewusst begehen. Mir einen Genuss daraus machen, diese Tage nach dem dunkelsten Moment des Jahres mit ihrem neu aufsteigenden Licht als Haltepunkt, Raum zwischen den Zeiten, wahrzunehmen. Um dem nachzuspüren, was meine Seele im innersten Kern bewegt, was sich als klare Vision herausschält, welcher ich im neuen Jahr Fokus und Gestalt geben möchte. Dafür schenken uns die kommenden Rauhnächte bis zum 06.01.2022 genügend Möglichkeit mit ihrer Stille und dem Keimen des Nächstkommenden.


Was ich heute morgen spürte, will sich seinen Raum nehmen, bevor ich in die Abgeschiedenheit tauche. Worte für den Weg, für alle jene, die sich erinnern wollen.


Wozu wir hier sind

Wir sind hier, um zu lernen. Uns zu ent-wickeln. Nicht ziellos, ganz und gar nicht. Am Ende steht die Liebe, die Vereinigung mit der tiefsten Quelle. Nenn sie Gott, das Göttliche, den Ursprung oder die all-eine Liebe, nenn sie, wie du willst. Das, was wir Menschen nie mit unseren 5 Sinnen, sondern immer nur mit unserer Seele begreifen werden.


Wir sind hier, um Erfahrungen zu machen.

Erfahrungen, die unser Herz weiten, unsere Offenheit und Toleranz vergrößern, die unser Mitgefühl ausdehnen, unsere Güte zur Entfaltung bringen und unsere Demut vor dem Leben erwachen lassen.

Wir sind hier, um uns daran zu erinnern, dass wir geistigen Ursprungs sind.

Wir sind hier zu begreifen, dass es nichts gibt, was uns wirklich Angst machen kann.

Wir sind hier, um unsere Anbindung an die all-eine Kraft zu erfahren, die wirkt, auch wenn wir sie nie sehen.

Wir sind hier, um andere dazu zu inspirieren, sich selbst zu erkennen und damit alle Illusionen von Getrenntheit, Mangel und Angst zu überwinden.

Wir sind hier, um Liebe zu erfahren und zu leben. Das einzige, was es wirklich gibt. Tiefe, abgrundtiefe, unendliche, unzerstörbare, sanfteste, omnipräsente Liebe.


Was gerade jetzt zu tun ist

Ich kann es gut an mir selbst beobachten, was diese turbulente Zeit hervorbringt. Ich nehme wahr, wie Ängste sich einschleichen und mich davon abhalten, in meiner Kraft, meinem Vertrauen und meiner Kompetenz zu sein. Ängste unterschiedlichster Art, die sich verdichten, je weniger ich ihnen Bewusstheit und Ruhe entgegensetze. Die Liste ist lang und reicht von der Angst, nicht geliebt zu werden bis zur Angst vor Zwang und finanziellem Existenzverlust. Tückisch ist sie, kriecht fast unbemerkt in mein Herz, durchdringt meinen Kopf mit ihren Düsterlichkeiten und erzeugt eine körperlich spürbare Enge in mir.

Kürzlich sagte mir eine Begleiterin: Wir waten derzeit alle in Angst. Einige von uns bis zu den Knien, wieder anderen ist sie bereits über den Kopf gestiegen. Niemand ist derzeit frei davon.

Doch egal, wovor wir uns im Moment fürchten, bei jeder neu aufkommenden Angst bin ich jedesmal hellwach und dankbar, zeigen sie mir, zeigen sie uns doch den Weg zu ihrer Transformation auf.

Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, es ist die Angst. Sie ist die mächtigste, zerstörerischste Kraft, die wir auf diesem Planeten haben. Sie zettelt Kriege an, vergrößert die Gier, potenziert das Misstrauen und lässt das Mitgefühl in unseren Herzen schrumpfen. Angst hat den stärksten Sog, uns in instinkthafte Verhaltensmuster zu katapultieren: Angriff, Flucht oder Erstarrung. Enge statt Weite, Zusammenziehen statt Öffnung. Wir können das gut an uns beobachten, wenn wir mit sorgenvollen, ängstigenden Gedanken in ein Gespräch gehen. Ich erkenne dann, wie schnell ich plötzlich werte, abweisend reagiere oder mich anpasse, um die Angst nicht noch größer werden zu lassen.

Daher besteht unsere Übung jetzt darin, dafür zu sorgen, dass sich die Angst unserer nicht ermächtigt. Ihrer stattdessen aufmerksam gewahr zu werden. Sie sagen zu lassen, was sie uns sagen will. Ihr unverwandt zuhören. Ihre Enge spüren. Um sie dann an die Hand zu nehmen. Laut und kraftvoll auszuatmen und sie durch uns durchfließen zu lassen. Unseren Körper zu weiten, unser Herz bis zum Bersten zu öffnen, all unsere Angst dort hinein strömen zu lassen, danach unsere Füße in den Boden zu schlagen und zu wissen: wir stehen, hier, jetzt, getragen, in uns ruhend und mit der größten Präsenz für diese Welt.


You must give birth to your images.

They are the future waiting to be born.

Fear not the strangeness you feel.

The future must enter you

long before it happens.

Just wait for the birth,

for the hour of new clarity.

M.R. Rilke


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